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Vom Lesen zum Türöffner: Blickforscher-Konferenz in Wien

Augenbewegungen könnte man gewissermaßen als von außen sichtbaren Ausdruck innerer Vorgänge ansehen, sind sie doch Folge und Voraussetzung für zahlreiche grundlegende geistige Leistungen in Wahrnehmung und Gedächtnis. Daher haben sich sowohl Vertreter der (Neuro-)Psychologie, Linguistik, Neurophysiologie, Informatik, der Ingenieurwissenschaften und der klinischen und computerorientierten Wissenschaften der Blickforschung verschrieben. Im Aufwind befinden sich auch Ideen, Blicke - etwa mittels Hightech-Brillen - zum Steuern von alltäglichen Vorgängen zu nutzen. So könnten zukünftig beispielsweise Türschnallen mittels Augenbewegungen geöffnet werden.

Eines der ganz großen Themen der "European Conference on Eye Movements" (ECEM) ist das Lesen - also "ein Prozess, bei dem Wahrnehmung und Gedächtnis ineinandergreifen", wie es einer der Mit-Organisatoren der Konferenz, der Psychologe Ulrich Ansorge von der Universität Wien, im Gespräch mit der APA ausdrückte. Bei derartigen Konferenzen gehe es in der Regel in etwas mehr als der Hälfte der Vorträge in irgendeiner Form darum. Über die Abläufe beim Lesen westlicher Schriftsprachen wisse man mittlerweile relativ viel - nun gehe es darum herauszufinden, in wie weit sich die Auseinandersetzung etwa mit chinesischen oder arabischen Schriftzeichen davon unterscheidet.

Einsatz bei der Diagnose

Einen ganz anderen Ansatz verfolgen Wissenschafter im Bereich der Diagnose neurologischer Erkrankungen des Gehirns oder bei psychischen Störungen. Hier wird versucht, "unterscheidende Merkmale anhand des Blicks dingfest zu machen. Dieser Bereich weitet sich aus", erklärte Ansorge.

In vielen Berufen spielt optische Wahrnehmung eine entscheidende Rolle. Forscher interessieren sich daher dafür, wie etwa ein Arzt Röntgenbilder durchmustert oder ein Zollbeamter am Flughafen in durchleuchteten Gepäckstücken nach unerlaubten Gegenständen sucht. Eine sehr aktuelle Frage sei auch, wie Menschen in Videos, Computerspielen oder auf Webseiten nach Informationen suchen, so Ansorge. Dieses Wissen könnte genutzt werden, um Online-Verträge oder -Formulare übersichtlicher zu gestalten.

Hier wird auch das Potenzial dieser Forschung beispielsweise für die Werbewirtschaft, Medienbranche und Technologieentwickler deutlich. An der Frage, wohin Menschen schauen, haben viele ein Interesse. "Deshalb sind auch die technischen Anbieter und die Industrie immer mit auf der Konferenz", sagte Ansorge.

Die Wiener Wissenschafter setzten sich vor allem mit Aufmerksamkeitsforschung etwa beim Betrachten von Videos auseinander. Ein weiterer großer Schwerpunkt an der Fakultät für Psychologie ist die Erforschung der Wahrnehmung von Kunst und Ästhetik.

Service: http://ecem2015.univie.ac.at

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