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Österreich.
Wo Forschung groß geschrieben wird.

Neue Drucktechnik bringt "intelligentere" Elektronik-Produkte

Bei dem Prozess werden Schaltkreise und Leiterbahnen auf eine flexible Endlosfolie - endlos heißt hier bis zu 100 Meter lang und 35 Zentimeter breit - modular aufgedruckt. "Mit jeder Druckstufe baut man immer mehr auf: erste Lage, dann eine Isolationsschicht, zweite Lage und so weiter. Dadurch erhalten wir eine Leiterplatine, die wir mit Bauteilen - wie LED oder Sensoren - bestücken können", erklärte Patrick Müller, Geschäftsführer von Bilton International, im Gespräch mit APA-Science.

Nach dem Verlöten würden die Module auf die gerade benötigte Form zusammengeschnitten. "Für dieses gesamte Verfahren - wir nennen das 'printed electronics' - sind wir nominiert", so Müller. Insbesondere der Lötprozess habe neu gestaltet werden müssen, um die Elektronikbauteile mit dem Trägermedium verbinden zu können.

Zusatzfunktion integrieren

Den Kunden könnten dadurch differenzierte Produkte angeboten werden. "Wir integrieren Zusatzfunktionen, die die Produkte intelligenter und höherwertiger machen. Beispielsweise drucken wir RFID-Codes an, die Aufschluss darüber geben, wo sich das Produkt gerade befindet. Oder wir integrieren Sensoren, die das Licht nicht nur Licht sein lassen, sondern eine Alarmanlage daraus machen", erklärte der Manager. Außerdem sei man durch das neue Verfahren flexibler und schneller, getreu dem Firmen-Motto: "Besser Erster als Bester."

In der Praxis könnte dadurch eine 2,4 Kilogramm schwere konventionelle Autorückleuchte durch eine gleichwertige mit nur 400 Gramm ersetzt werden. Größter Vorteil sei, dass sich auf einer Folie die gesamte Elektronik anbringen lasse. Bei Waschmaschinen könnte so auf Schalter verzichtet werden. "Da ist einfach eine Folie drinnen mit der Elektronik drauf. Vorne gibt es nur mehr eine Abdeckscheibe aus Plastik und den Hinweis, wo ich drucken muss. Tasten braucht man keine mehr", erklärte Müller, dessen Unternehmen starke Umsatzzuwächse verzeichnet. Dementsprechend ist auch die Mitarbeiterzahl gestiegen.

Ausbildung und Start-ups

Ein besonderes Anliegen ist dem gelernten Elektriker daher die Lehrlingsausbildung. "Wir brauchen in Zukunft viel Fachpersonal beziehungsweise Praktiker und nicht nur Theoretiker, die keine Berufserfahrung mitbringen. Darum ist es mir ein Anliegen, dass das Thema Lehre nicht unterbewertet wird", so Müller, der den Trend zu Fachhochschulen kritisch sieht. Zwar würden viele Unternehmen die Lehre stärker forcieren wollen, "aber da ist eine gewisse Planlosigkeit dahinter".

Dem aktuellen Hype um Start-ups kann Müller, dessen Firma 2011 von der Wirtschaftskammer Salzburg als bestes Start-up-Unternehmen ausgezeichnet wurde, wenig abgewinnen. "Ich spüre keine Verbesserung bei den Rahmenbedingungen. Es ist schön, dass es alternative Finanzierungsformen wie Crowdfunding gibt. Aber was uns in Österreich fehlt, ist eine gewisse Finanzierungskultur über Business Angels, Investoren oder Beteiligungen. Nach wie vor sind die Banken die Hauptfinanzierungsgeber für die Unternehmen - auch in der Gründungsphase."

Bilton International wurde im Jahr 2009 gegründet. Aktuell beschäftigt der Betrieb mit Sitz in Saalfelden rund 80 Mitarbeiter. Der Umsatz soll heuer auf 15,5 Mio. Euro klettern, im Jahr 2010 lag er noch bei 700.000 Euro. Die F&E-Quote beträgt 2016 voraussichtlich sieben Prozent. Bei der Exportquote ist heuer ein deutlicher Anstieg auf 60 Prozent, nach 25 Prozent im Jahr 2015, geplant. Das Unternehmen ist neben dem Staatspreis auch für den Sonderpreis "Econovius" nominiert, mit dem Klein- und Mittelbetriebe ausgezeichnet werden, die sich durch besonders innovative Leistungen hervortun.

Service: APA-Science stellt allwöchentlich jeweils eines der sechs nominierten Unternehmen für den vom Wissenschafts-, Forschungs- und Wirtschaftsministerium vergebenen Staatspreis Innovation vor, der am 29. März von Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner in Wien verliehen wird: http://science.apa.at/kooperation/Staatspreis

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