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Kreislaufwirtschaft: Österreich als Vorreiter

Österreich als Vorreiter der Kreislaufwirtschaft

Als starker Partner der EU zählt Österreich bereits zu den internationalen Vorreitern: In österreichischen Haushalten fallen jährlich rund 4,3 Millionen Tonnen Abfälle an, wovon rund 90 Prozent wiederverwertet werden. Hier tragen wohl die Initiativen des Verbands Abfallberatung Österreich (VABÖ) Früchte, der bereits seit Jahrzehnten mit seinen 365 kommunalen Umwelt- und Abfallberatern in der Bewusstseinsbildung für ressourcenschonenden Konsum arbeitet. Als treibende Kraft in der österreichischen Kreislaufwirtschaft leistet außerdem die Altstoff Recycling Austria AG (ARA) einen wichtigen Beitrag. Schon 1993 begann die ARA als Sammel- und Verwertungssystem für Verpackungen und hat sich als bevorzugter Partner der heimischen Unternehmen zum Innovationstreiber im Ressourcenmanagement entwickelt. Die ARA hat die Schnittmenge von Ökologie und Ökonomie maßgeblich geprägt und dazu beigetragen, dass die Alpenrepublik schon jetzt die für 2025 geforderten Recyclingquoten erreicht hat.

Relevanz des politischen Dialogs auf nationaler und europäischer Ebene

Doch die Kreislaufwirtschaft sollte nicht nur die Abfallwirtschaft beschäftigen, sondern als Gesellschaftsthema behandelt werden. Im März 2018 fiel hier mit der Auftaktveranstaltung Plattform Kreislaufwirtschaft Österreich im Haus der Europäischen Union ein Startschuss . Abgehalten wurde sie vom Umweltdachverband in Zusammenarbeit mit dem VABÖ, RepaNet und dem European Environmental Bureau (EEB).

RepaNet setzt sich als das Re-Use- und Reparaturnetzwerk Österreichs bereits seit über zehn Jahren gemeinsam mit dem europäischen Dachverband RREUSE für Kreislaufwirtschaft für intelligente und vor allem längere Ressourcen- und Produktnutzung auf europäischer Ebene ein – und vor allem für die Schaffung von neuen, innovativen Arbeitsplätzen in der Sozialwirtschaft in diesem Bereich. Heute schaffen die 27 Mitglieder von RepaNet 1.800 Kreislaufwirtschaftsarbeitsplätze.

Wachstumsmotor für die Wirtschaft

Die EU-Maßnahme zur Anhebung der Recyclingquoten und Förderung eines qualitätsvollen Recyclings schützt aber nicht nur die Umwelt, sondern auch den Wirtschaftsstandort. Als wachsender Markt mit enormem Beschäftigungspotenzial bietet die Kreislaufwirtschaft nämlich vor allem große Chancen. Für Österreich ist das eine gute Nachricht, denn das Land ist insbesondere hinsichtlich Know-how und Technologie sehr gut aufgestellt. Diese Expertise kann ins Ausland exportiert werden, was wiederum Arbeitsplätze im Inland schafft. Europaweit sollen hier bis 2035 insgesamt 170.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Ein willkommener Nebeneffekt für Unternehmen im EU-Raum ist das Einsparungspotential: Entlang der gesamten Wertschöpfungskette kann der Primär-Werkstoffeinsatz um 17 bis 24 Prozent reduziert werden. Aufgrund der besseren Ressourcennutzung ergibt sich ein Einsparungspotential für die europäische Industrie in Höhe von 630 Milliarden Euro pro Jahr beziehungsweise 8 Prozent des gesamten Jahresumsatzes.

Einheitliche Kunststoffstrategie für die Industrie gefordert

Zu den Prioritäten der Kreislaufwirtschaft gehört auch die Reduktion von Plastik und Mikroplastik. Hier setzt die EU-Kunststoffstrategie an. Mit geplanten Maßnahmen zur Reduktion von Einweg-Plastikprodukten wurden auf politischer Ebene wichtige Meilensteine zur Reduzierung von Kunststoffen in der Umwelt gesetzt. Auch die internationale Borealis-Gruppe, die in Schwechat bei Wien 550 Mitarbeiter beschäftigt und jährlich rund eine Million Tonnen Polyolefine produziert, hat entsprechend reagiert. Mit dem Kauf des österreichischen Kunststoffrecyclingunternehmens Ecoplast Kunststoffrecycling GmbH hat sie ihre Kompetenzen in diesem Bereich gezielt gestärkt. 

All diese Entwicklungen und Maßnahmen bilden eine gute Grundlage für eine neue Ära nachhaltigerer Industrie. Um wirklich einen positiven Beitrag gegen Umweltverschmutzung zu leisten, muss mit einer gezielten Förderung und wirtschaftlichen Anreizen für Projekte in der Kreislaufwirtschaft auch in Zukunft verstärkt darauf aufgebaut werden. Die angeführten Beispiele zeigen jedoch, dass ein ökologisch bewussterer Wandel nicht zwangsläufig mit Entbehrungen einhergehen muss, sondern echte wirtschaftliche Potenziale birgt.

Dr. Martina Hölbling

Direktor Westeuropa (Frankreich, Schweiz, Benelux-Staaten, Skandinavien)
+43-1-588 58-211
m.hoelbling@aba.gv.at

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