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Österreich.
Dynamischer Wirtschaftsstandort.

Österreichische KMU setzen Maßnahmen zur Eindämmung des Klimawandels

In vielen Teilen der Welt entwickelt sich die Lage aus Umweltsicht nach wie vor in die falsche Richtung. Anstatt zu sinken, steigt der Ausstoß von Treibhausgasen und damit die Erderwärmung. Eine Negativspirale mit unabsehbaren Folgen. Was kann da schon der Einzelne ausrichten? Wissen Unternehmer um die drohenden Gefahren für ihre Geschäftsmodelle und sehen manche die Entwicklung vielleicht sogar als Chance, um neue Geschäftsmodelle aufzuziehen?

Zunächst ein paar nüchterne Fakten des Umweltbundesamtes. Abseits ideologischer Grabenkämpfe stellen die Experten auf ihrem Informationsportal allen alternativen Fakten zum Trotz ausdrücklich fest, dass der Klimawandel "kein Zukunftsszenario mehr ist, er findet vielmehr bereits statt." Und zwar nicht irgendwo, sondern auch bei uns. Der Alpenraum sei sogar besonders stark betroffen: Hier stieg die durchschnittliche Jahrestemperatur in den letzten 170 Jahren belegbar um rund 2 °C an. Eine Erhöhung, die deutlich über dem weltweit verzeichneten Temperaturanstieg von 0,85 °C liegt. Die Folgen sind laut den Experten vermehrt auftretende Hitze- und Dürreperioden, schmelzende Gletscher- und Permafrostflächen, zunehmende Starkniederschläge, Änderungen in den Vegetationsperioden und die Zuwanderung wärmeliebender Arten.

Katastrophe oder Wachstumsfeld?

Angesichts dieser Fakten müsste eigentlich Alarmstimmung herrschen. Müsste. Doch noch läuft bei der überwiegenden Zahl der Unternehmen das business as usual. Zu wenig sind die Auswirkungen im täglichen Leben und im Geschäftsalltag bei uns zu spüren. Noch. „Der Klimawandel ist aktuell tatsächlich nur ein Thema am Rande", meint der Nachhaltigkeitsexperte Prof. René Schmidpeter. Viele Betriebe befassen sich zwar bereits intensiv mit Energiefragen oder stellen den Fuhrpark um, aber die Tragweite für ihr Kerngeschäft hätten erst wenige erfasst, meint der Direktor des Center for Advanced Sustainable Management der Cologne Business School.
Dabei befinden sich viele Geschäftsfelder und Geschäftsmodelle bereits in einem tiefgreifenden Wandel – und zwar auf globaler Ebene.
So groß die Herausforderungen, so tiefgreifend die Umbrüche auch sein mögen – zeitgleich entstehen auch neue Geschäftsfelder und Chancen. Österreich ist die Heimat vieler Technologieführer aus den unterschiedlichsten Bereichen. Und manche ihrer Spezialisierungen können in einer veränderten Umwelt enorm an Bedeutung gewinnen.
Welchen Stellenwert das Thema im Alltag heimischer Unternehmen hat und wie sie Chancen und Risiken bewerten, wollte Die Wirtschaft von den Betroffenen selbst erfahren und fragte zunächst online bei heimischen KMU nach. Die Ergebnisse sprechen eine eindeutige Sprache: Österreichs Unternehmer sind sich der Herausforderungen durchaus bewusst und sie stellen sich auf Probleme ein. 42 Prozent erwarten, dass sich der Klimawandel mitsamt seinen Folgen in den nächsten Jahren negativ auf ihr Unternehmen auswirken wird. 45 Prozent meinen aber auch, dass sich aus den Herausforderungen des Klimawandels neue Geschäftschancen für ihr Unternehmen ergeben könnten und beachtliche 82 Prozent setzen aktiv Maßnahmen, um den Klimawandel einzudämmen.

Konstruktive Ansätze aus Österreich

Woran konkrete Befürchtungen, aber auch Maßnahmen geknüpft sind, erfahren wir von einem Unternehmer, dessen Geschäftsmodell von Wetterkapriolen sehr unmittelbar betroffen ist. Auch laut dem burgenländischen Starwinzer Leo Hillinger gäbe es nichts mehr daran zu leugnen: „Der Klimawandel ist da! 1997 war ein Jahrgang, der im Rotweinbereich alles umgeworfen hat", sagt Hillinger und zählt auf. „1999, 2000, 2003, 2006, 2009 und 2011 – das waren alles super heiße Jahre." Im Rotweinbereich wäre die Hitze positiv, die Trockenheit sei aber auch ein Problem, wenn man nicht bewässern will, erklärt Hillinger. Aus Sicht des Winzers sind heiße Jahre gleichzeitig Segen und Fluch. Weißwein müsse man jetzt in den Nordhang pflanzen. Trockenheit und Hitze hätten für den Weinbau allerdings auch positive Seiten: weniger Pilze. Dafür müsse man die Weinreben beschatten. Leo Hillinger reagiert darauf mit biologischen und technischen Maßnahmen. In Zukunft wird er mit Beschattungsnetzen arbeiten, die auch vor Hagel schützen.

Leo Hillinger © Rita Newman

"Davonlaufen ist nicht der richtige Ansatz."

Leo Hillinger

300 Kilometer von den sonnigen Hügeln im Burgenland entfernt liegt Ried im Innkreis – der Heimatort von FACC. Das Unternehmen ist weltweit führend in Design, Entwicklung und Fertigung von Komponenten und Systemen für die Aerospace-Industrie. So erfolgreich das Hightechunternehmen auch ist, die gesamte Branche kann ihren Anteil am Klimawandel nicht leugnen. Entsprechend groß ist das Engagement bei FACC, seinen Teil beizutragen. „Wir befürworten und unterstützen als Technologiepartner der globalen Aerospace-Industrie alle Aktivitäten der Flugzeug- und Triebwerkshersteller, um den Klimaschutz im Flugverkehr zu erhöhen", erklärt CEO Robert Machtlinger. Im Zentrum stehen dabei die Treibstoffreduktion und die Minderung des CO2-Ausstoßes. Eine wirtschaftliche Win-win-Situation. Doch das Unternehmen denkt bereits weiter und entwickelt Lösungen für den individuellen Luftverkehr der Zukunft indem neue Technologien und Konzepte für autonome Luftfahrzeuge erforscht werden. Grundlage sollen umweltfreundliche Elektroantriebe sein. Laut einer Studie von Roland Berger besteht in den nächsten Jahren ein Bedarf von Lufttaxis im Wert von 32 Milliarden Euro – so sehen Wachstumsmärkte aus.

Ernst Gugler © Rita Newman

„Der Klimawandel wird sich mit Sicherheit auf unser Unternehmen auswirken."

Ernst Gugler

Zurück auf ebener Erde, nur einen Steinwurf vom Stift Melk entfernt, befindet sich die Firma Gugler. Ernst Gugler ist ein echter Nachhaltigkeitspionier und auch ein ökologischer Vordenker. Für den Gründer der Druckerei, die zum Kommunikationshaus mutiert ist, steht fest: „Der Klimawandel wird sich mit Sicherheit auf unser Unternehmen auswirken." Schlicht weil er für die Konsumenten schmerzhaft spürbar und damit endlich sichtbar werden wird. Das wiederum werde zu einem rapiden Bewusstseinswandel führen, hofft Gugler. Konsumenten werden vermehrt nachhaltig, klimafreundlich und fair produzierte Produkte nachfragen und genau hinsehen, inwiefern die Unternehmen dahinter auch wirklich nachhaltig handeln. Wer sich auf diese Nachfrageverschiebung frühzeitig vorbereite, habe gute Überlebenschancen am Zukunftsmarkt „Nachhaltigkeit". Indizien für diesen Wandel sieht der Niederösterreicher etwa im Schritt der Verlagsgruppe Random House, die vor Kurzem bekanntgegeben hat, die „ökologische Wende" einzuleiten. 2018 hat sie das erste Cradle to Cradle-produzierte Buch herausgegeben. Printed by gugler, wie der Unternehmer stolz berichtet.

Selbst wenn die Herausforderung global erdrückend zu sein scheint, finden heimische Unternehmer konstruktive Ansätze, sie leisten ihren Beitrag und passen sich an. Eine Fähigkeit, die in Zukunft wohl immer öfter gefragt sein könnte.

Den Beitrag in voller Länge finden sie hier.

Stephan Strzyzowski, Chefredakteur bei die Wirtschaft

+43-1-546 64 381
s.strzyzowski@wirtschaftsverlag.at

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