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Die neue Forschungszulage in Deutschland – eine Konkurrenz zur österreichischen Forschungsprämie?

Auch im Nachbarland wird nun ein stärkerer Fokus auf die steuerliche Förderung von Forschung und Entwicklung gelegt. Mit 1. Jänner 2020 ist in Deutschland das Gesetz zur steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung („Forschungszulagengesetz", kurz „FZulG") in Kraft getreten. Durch diese Neueinführung einer steuerlichen Förderung von Forschung und Entwicklung soll der deutsche Forschungsstandort gestärkt werden und ein Anreiz für vermehrte Investitionen in Forschung und Entwicklung („F&E") geschaffen werden.

Deutsche Konkurrenz für ein österreichisches Erfolgsrezept?

Mit zwei ähnlichen steuerlichen Forschungsförderungsinstrumenten stellt sich die Frage, ob die bewährte österreichische Forschungsprämie mit der deutschen Forschungszulage Konkurrenz, ja vielleicht sogar einen Standortnachteil erfahren könnte. Die deutsche Forschungszulage weist auf den ersten Blick einige Parallelen zur österreichischen Forschungsprämie auf, bei genauerer Betrachtung der gesetzlichen Regelungen fallen jedoch Unterschiede in den Details auf. Die Abbildung vergleicht die wesentlichen Eckdaten der österreichischen Forschungsprämie mit denen der deutschen Forschungszulage, getrennt nach eigenbetrieblicher F&E und Auftragsforschung:

grafik forschungsprämie
Abbildung: Gesetzliche Regelungen zu Forschungsprämie (AT) und Forschungszulage (DE) im direkten Vergleich, nach eigenbetrieblicher und Auftragsforschung. © PwC

Wesentliche Unterschiede bei Bemessungsgrundlage und deren Deckelung, Prämiensatz und Konzernbeschränkung

Ein erster Unterschied zwischen beiden Modellen besteht bei den begünstigten, eigenbetrieblichen F&E-Tätigkeiten im Rahmen der Bemessungsgrundlage. Bei der deutschen Forschungszulage können ausschließlich begünstigte Personalaufwendungen in die Bemessungsgrundlage einbezogen werden. In Österreich können hingegen neben Personalaufwendungen auch unmittelbare Aufwendungen (insbesondere auch F&E-Investitionen), Finanzierungsaufwendungen sowie Gemeinkosten im Rahmen der Bemessungsgrundlage berücksichtigt werden, gekürzt um allfällige steuerfreie Subventionen.

Obwohl der Prämiensatz der deutschen Forschungszulage mit 25 Prozent höher ist als der aktuelle österreichische Prämiensatz von 14 Prozent, kann es wegen der breiteren Basis der Bemessungsgrundlage in Österreich zu einer höheren steuerlichen Forschungsförderung als in Deutschland kommen. Insbesondere bei anlagenintensiven F&E-Projekten stellt die Einbeziehung von Investitionen in die Bemessungsgrundlage der österreichischen Forschungsprämie einen großen Vorteil dar. So können etwa Investitionen, die nachhaltig F&E-Zwecken dienen, zur Gänze im Jahr der Anschaffung mit den Anschaffungskosten in der Bemessungsgrundlage berücksichtigt werden.

Als weiterer wesentlicher Vorteil der österreichischen Forschungsprämie ist hervorzuheben, dass für eigenbetriebliche F&E-Tätigkeiten keine Deckelung der Bemessungsgrundlage zu beachten ist. Die Bemessungsgrundlage für die deutsche Forschungszulage ist mit 2 Millionen Euro pro Wirtschaftsjahr und Unternehmen begrenzt, wobei verbundene Unternehmen diese Obergrenze insgesamt nur einmal in Anspruch nehmen können. Somit kann in Deutschland innerhalb eines Konzerns nur eine maximale Forschungszulage von 500.000 Euro (entspricht 25 Prozent von 2 Millionen Euro) bezogen werden.

Bei der Auftragsforschungsprämie hingegen ist zwar auch in Österreich die Bemessungsgrundlage mit 1 Million Euro gedeckelt (Deutschland: 2 Millionen Euro), allerdings können in Deutschland nur 60 Prozent des an den Auftragnehmer bezahlten Entgelts einbezogen werden. Zusätzlich gibt es Einschränkungen bezüglich verbundener Unternehmen, diese sind in Deutschland deutlich restriktiver als in Österreich. Bei einem Konzernverbund kann sich daher in Österreich bei entsprechender Strukturierung der Auftragsvergabe eine höhere Förderung als in Deutschland ergeben. Mit der deutschen Forschungszulage werden im Wesentlichen kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gefördert, in Österreich hingegen sowohl KMU als auch Großunternehmen begünstigt.

Insbesondere bei eigenbetrieblichen F&E-Tätigkeiten kann es aufgrund der breiteren Bemessungsgrundlage, der fehlenden Deckelung der Bemessungsgrundlage und der fehlenden Konzernbeschränkung in Österreich eine höhere, steuerliche Förderung als in Deutschland geben.

Fazit zum jetzigen Zeitpunkt: Durch die Einführung der Forschungszulage in Deutschland prognostizieren wir keine wesentlichen Verlagerungen von F&E-Tätigkeiten von Österreich nach Deutschland. Der Wirtschaftsraum Österreich behält weiterhin eine große Bedeutung als F&E-Standort.

 

Lesen Sie hier mehr über renommierte Forschungseinrichtungen in Österreich.

 

Daniela Stastny

Director bei PwC Österreich
+43-1-501 88-3430

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