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Gen-Analyse zeigt Therapiechance bei seltener Kinder-Leukämie

Die Studie ist in der Fachzeitschrift "Nature Genetics" erschienen. Die Wissenschafter, unter ihnen Renate Panzer-Grümayer vom Krebsforschungsinstitut (CCRI) des Wiener St. Anna Kinderspitals, haben sich mit der zumeist noch immer tödlich verlaufenden TCF-HLF-positiven Akuten Lymphoblastischen Leukämie beschäftigt.

Die Wiener Kinder-Hämatologin: "90 Prozent der akuten Leukämien bei Kindern sind Akute Lymphoblastische Leukämien (ALL; Anm.), Akute Myeloische Leukämien (AML; Anm.) sind deutlich seltener. Chronisch Lymphatische Leukämien (CML; Anm.) kommen bei Kindern fast nicht vor. Das ist anders als bei Erwachsenen. TCF-HLF-positive Akute Lymphoblastische Leukämien machen nur ein Prozent der ALL-Erkrankungen bei Kindern aus. Sie haben aber das Merkmal, dass sie trotz zunächst erfolgreicher Behandlung fast immer erneut auftreten." Die Erkrankungen erweisen sich gegen die sonst sehr erfolgreich verwendeten Chemotherapie-Schemata als resistent.

Abnormer Transkriptionsfaktor

Im Rahmen der Untersuchung wurde die Genomik dieser Form von kindlicher Leukämie analysiert. Die bösartigen Zellen stammten von elf Kindern, sie wurden dann in Labormäusen weiter vermehrt. Ein Ergebnis: An der Entstehung - eigentlich mehr an der Aufrechterhaltung - der TCF-HLF-positiven ALL ist offenbar eine ganz spezifische genetische Veränderung in Blutstammzellen verantwortlich. Renate Panzer-Grümayer: "Dabei kommt es auf den Chromosomen 17 und 19 zu einem Bruch. Sie werden falsch wieder zusammengefügt. Daraus entsteht ein abnormer Transkriptionsfaktor, der das Wachstum dieser Blutzellen antreibt."

An den kindlichen Leukämiezellen wurden schließlich verschiedene Medikamente auf ihre Wirksamkeit getestet. Es bestätigte sich, dass diese Form von Blutkrebs zum Beispiel gegen sogenannte Nukleosid Analoga (z.B. Cytarabin, ARA-C) oder auch Vincristin, Medikamente, die in derzeitigen Therapieprotokollen enthalten sind, resistent sind.

FDA sieht "Therapiedurchbruch"

Auf der anderen Seite sammelten die Wissenschafter erste Belege dafür, dass eine Behandlung mit einer noch in Entwicklung stehenden Substanz (Venetoclax) wirksam sein könnte. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat im Mai dieses Jahres dem Wirkstoff den Status eines "Therapiedurchbruchs" bei Rückfällen im Rahmen einer Chronisch Lymphatischen Leukämie (CLL) bei Erwachsenen zugesprochen.

An Kindern mit der seltenen Leukämieform muss die Wirksamkeit der Substanz aber erst belegt werden. Insgesamt könnten Hemmstoffe für den Tumorzell-Überlebensfaktor BCL2 eine Behandlungsmöglichkeit sein. BCL2 verhindert, dass Tumorzellen nach einer Schädigung des Erbguts in den programmierten Zelltod (Apoptose) übergehen. Solche Therapiekonzepte wurden zum Teil erfolgreich auch beim fortgeschrittenen Melanom bei Erwachsenen angewendet.

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