Zum Inhalt
© Novartis Austria
  • Success Story

Das Tiroler Novartis-Werk ist die letzte vollintegrierte Antibiotika-Produktion in der gesamten westlichen Welt. Der Startschuss dafür erfolgte bereits 1946 mit der Produktion des damals dringend benötigten Penicillins. Heute ist Novartis Österreich ein zentraler Entwicklungs- und Produktionsstandort der Novartis-Gruppe und beschäftigt Mitarbeiter:innen aus 50 Nationen. Erst kürzlich erfolgte der Einstieg in die Produktion von Nukleinsäuren für Zell- und Gentherapien. 

 

 

Es ist wirklich mehr als beeindruckend, was am Standort Kundl/Schaftenau passiert ist. Der sicherlich wichtigste Faktor zum Beschreiten dieser Erfolgsgeschichte waren und sind unsere Mitarbei-ter:innen. Ihr Fleiß und ihr Know-how sind es, die all diese Erfolge überhaupt erst möglich gemacht haben und bilden die Basis für den Innovationsgeist unseres Standortes – damals wie heute!

Mario Riesner Geschäftsführer Novartis Campus Kundl/Schaftenau
© Novartis Austria

Fragen an Mario Riesner, Geschäftsführer Novartis Campus Kundl/Schaftenau 

Novartis schreibt in Österreich eine unglaubliche Erfolgsgeschichte. Welche Faktoren haben aus Ihrer Sicht diese Entwicklung in Österreich ermöglicht? 

Zweifelsfrei haben viele Faktoren zu dieser einzigartigen Erfolgsgeschichte von Novartis in Österreich beigetragen: Diese reicht zurück bis in das Jahr 1946, als eine ehemalige Brauerei in eine Penicillin-Fabrik umgebaut wurde. Der nächste Durchbruch folgte 1952: Das erste säureresistente Penicillin konnte nun auch als Tablettenform verabreicht werden. Ein weiterer großer Meilenstein in der österreichischen Unternehmensgeschichte von Novartis ist der Einstieg in die moderne Biotechnologie (Biosimilars, Biopharmazeutika) im Jahr 1995, aufbauend auf der jahrzehntelangen Biotech-Expertise am Standort.  

2020 folgte dann ein weiteres großes Investitionsprojekt: Mehr als 150 Millionen Euro werden in den kommenden Jahren für die Modernisierung von Produktionsanlagen verwendet, in denen Schlüsselantibiotika hergestellt werden. Mit dieser Investition bekennt sich Novartis zum Antibiotika-Produktionsstandort in Österreich – ein wichtiger Schritt Richtung Versorgungssicherheit mit Antibiotika: Denn bei dem Tiroler Novartis-Werk handelt es sich um die letzte vollintegrierte Antibiotika-Produktion in der gesamten westlichen Welt. Im selben Jahr erfolgte auch der Startschuss für die Produktion von Plasmiden: Dabei handelt es sich um ringförmige DNA-Moleküle, die für Zell- und Gentherapien benötigt werden. Sie sind damit ein entscheidender Bestandteil aller innovativen Zell- und Gentherapien von Novartis. Daher wurde der Standort Kundl auch zum Novartis-Kompetenzzentrum für Nukleinsäure-Produktion ausgebaut. 

Mit BioFuture wurde im Mai 2022 die weltweit modernste Produktionsanlage für Biopharmazeutika in Schaftenau eröffnet. Eine weitere neue Fertigungsanlage, Cell Culture 2 (CC2), ermöglicht zusätzliche Kapazitätssteigerungen und festigt die Rolle von Schaftenau als Novartis-Kompetenzzentrum für moderne Zellkulturtechnologie. Das Gesamtinvestitionsvolumen belief sich auf 300 Millionen Euro, insgesamt entstanden in den beiden neuen Anlagen rund 180 zusätzliche Arbeitsplätze. Damit ist Schaftenau der größte und innovativste Standort zur Herstellung von Biopharmazeutika in Österreich und von Novartis weltweit.  

Ein weiterer entscheidender Schritt zur Entwicklung des Standortes wurde 2021 gesetzt: Wir haben angekündigt, unseren Campus Kundl/Schaftenau zu öffnen und ihn durch die Ansiedlung von Unternehmen aus dem Bereich Life Sciences weiter auszubauen. Damit entsteht ein äußerst vielfältiger Industriestandort, der großes Potenzial für Kreativität und Innovation hat und noch mehr Wertschöpfung nach Tirol bringt. Die in diesem Jahr erfolgte Gründung der AXILS GmbH mit dem WIFI Tirol, welche allen am Standort angesiedelten Firmen und auch Unternehmen in der Region eine einzigartige Lehrlings- und Erwachsenenbildung im Bereich Life Sciences bietet, ist ein weiteres starkes Signal, welches auch die Life-Sciences-Strategie des Landes Tirol und die Etablierung eines weiteren Health Hubs unterstützt. 

Wenn man sich diese Meilensteine ansieht, dann ist es wirklich mehr als beeindruckend, was am Standort Kundl/Schaftenau passiert ist. Der sicherlich wichtigste Faktor zum Beschreiten dieser Erfolgsgeschichte waren und sind unsere Mitarbeiter:innen. Ihr Fleiß und ihr Know-how sind es, die all diese Erfolge überhaupt erst möglich gemacht haben und bilden die Basis für den Innovationsgeist unseres Standortes – damals wie heute! 

Insgesamt investierte Novartis seit 2010 in Kundl/Schaftenau rund 900 Millionen Euro. Welche Voraussetzungen finden Sie in Österreich, damit diese zukunftsweisenden Schritte im Herzen Europas erfolgen konnten? 

Der Wirtschaftsstandort Österreich bietet – wie jeder Wirtschaftsstandort – Vor- und Nachteile. Als Novartis in Österreich sind wir heute zentraler Entwicklungs- und Produktionsstandort mit Spezialisierung auf biotechnologisch hergestellte Arzneimittel – von der Forschung und Entwicklung bis zur Produktion. Wie viele Branchen unterliegt die pharmazeutische Industrie starkem internationalem Wettbewerb, bei dem Kosteneffizienz eine wesentliche Prämisse ist. Konkurrenz besteht nicht nur zu anderen Unternehmen, sondern auch zu anderen Standorten innerhalb des Konzernverbundes, insbesondere in Zusammenhang mit mittel- und langfristigen Investitionsentscheidungen. 

Ein besonders wichtiger Schlüsselfaktor dabei sind für uns hoch qualifizierte Mitarbeiter:innen. Aktuell beschäftigen wir in Österreich mehr als 5.000 Mitarbeiter:innen, über 4.500 allein in Kundl und Schaftenau. Gut qualifiziertes Personal zu gewinnen und langfristig zu binden, stellt für uns eine große Herausforderung dar, weshalb wir längst über die Grenzen Österreichs hinaus rekrutieren (müssen). Derzeit suchen wir aufgrund des starken Wachstums über 400 neue Mitarbeiter:innen. An unseren Tiroler Standorten arbeiten Menschen aus mehr als 50 Nationen und darauf sind wir stolz. 

Wir empfinden Diversität – und nicht nur in kultureller Hinsicht – als große Bereicherung und fördern diese aktiv. Um für Menschen aus aller Welt ein attraktiver Arbeitgeber zu sein, bieten wir sowohl in Kundl als auch in Schaftenau einen Betriebskindergarten, in dem mehr als 130 Kinder von Mitarbeiter:innen betreut werden. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass vor allem ein vielfältiges und internationales Bildungsangebot ein wichtiges Entscheidungskriterium für unsere zukünftigen Mitarbeiter:innen ist. In unmittelbarer Nähe, in Kufstein, steht eine internationale Schule zur Verfügung, welche ein durchgängiges Bildungsangebot von der Unterstufe bis zum International Baccalaureate bietet. 

Novartis investierte 2020 in Österreich 216 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung und ist Spitzenreiter bei diesen Investitionen. 11 Prozent des gesamten Novartis-BIP-Beitrags in Österreich stammen aus Forschungs- & Entwicklungs-Aktivitäten (Innovation). Inwieweit haben diesbezügliche Förderungen wie etwa die Forschungsprämie Einfluss auf Investitionsentscheidungen von Novartis am Standort Österreich? 

Anreize wie die Forschungsprämie sind notwendige Signale und können auf den letzten Metern Investitionen eine entscheidende Richtung geben. Das Geld für Investitionen wird in letzter Instanz im Headquarter in Basel freigegeben. Das heißt, wir stehen mit unserem Campus in Österreich in puncto Investitionen mit allen anderen Ländern in „unternehmensinternem Wettbewerb“ zueinander. Vereinfacht gesagt, haben wir und die österreichische Politik ein gemeinsames Ziel: die Rahmenbedingungen in Österreich so attraktiv zu gestalten, dass die Headquarter-Entscheidung am Ende des Tages für Österreich ausfällt. Dabei möchte ich erwähnen, dass wir als Novartis im Vergleich zur Größe unseres Landes überproportional stark investiert sind.  

Hervorheben möchte ich den ökonomischen und gesellschaftlichen Beitrag für Wohlstand und Innovation, den Novartis in Österreich leistet. Die vom WifOR Institute durchgeführte Wertschöpfungsstudie zeigt, dass Novartis im Jahr 2021 rund 1,9 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung in Österreich geleistet hat. Durch Therapien mit innovativen und generischen Medikamenten gewinnen die Österreicherinnen und Österreicher mehr als 60.000 zusätzliche gesunde Lebensjahre. Novartis und Sandoz erreichten 2021 mit ihren Produkten fast 6 Millionen heimische Patient:innen. Dieser ökonomische Fußabdruck illustriert eindrucksvoll die volkswirtschaftliche Bedeutung von Novartis in Österreich. 

Mit der Öffnung des Campus Kundl/Schaftenau für andere Unternehmen hat Novartis sein Engagement in Österreich bekräftigt, ebenso wie mit dem Ausbau von Kundl zu einem Kompetenzzentrum für die Nukleinsäure-Produktion und dem Einstig in die COVID-19-Impfstoffproduktion. Wie schätzen Sie den Life-Sciences-Standort Österreich insgesamt im internationalen Vergleich ein? 

Unser Life Science Campus im Westen Österreichs bietet eine ausgezeichnete Infrastruktur, die Tirol mit drei umliegenden Metropolregionen und Ländern wie Süddeutschland, der Schweiz und Norditalien gut verbindet. Dazu gehören unter anderem: exzellente Verkehrsanbindung, ein pulsierender Wirtschaftsstandort (Inntal) sowie ein stabiles politisches Umfeld – zudem erstklassige Infrastruktur, ein attraktiver Arbeitnehmermarkt und umfassende Möglichkeiten der Freizeitgestaltung in der Natur. Der Technology Campus Tirol ist in einem attraktiven Umfeld mit herausragenden, international anerkannten Forschungsinstituten und Universitäten situiert.  

Der Wirtschaftsstandort Österreich hat großes Potenzial: Es sind bereits viele Pharma- und Life-Science-Unternehmen im Land. Dies gepaart mit starken Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie günstigen Rahmenbedingungen könnte Österreich zu einem zentralen Innovations-Player in der Europäischen Union und der Welt machen.  

Gab es besonders prägende, einschneidende Ereignisse, Wendepunkte oder persönliche Erlebnisse in der Unternehmensgeschichte am Standort Österreich, die besonders in Erinnerung bleiben? 

Den Grundstein für die Pharmaproduktion am Standort Kundl legte Michel Rambeaud. Sein Ziel: Penicillin in Österreich herstellen – für den österreichischen und französischen Markt. Rambeaud gewann die Geschäftsleitung der Österreichischen Brau AG für sein Projekt, die neben den ungenutzten Räumlichkeiten im Kundler Schloss auch einen Großteil des Startkapitals von 500.000 Schilling zur Verfügung stellte. Nach schwierigen Anfangsjahren voller Rückschläge gelangt es den Kundler Biochemikern 1948, ein für die Anwendung am Menschen taugliches injizierbares Penicillin herzustellen. Der große Durchbruch folgte 1952, als die Biochemie-Forscher Dr. Ernst Brandl und Dr. Hannes Margreiter das säurestabile Penicillin entdeckten.  

Was seither an unserem Standort geleistet wurde, ist in vielerlei Hinsicht absolut einzigartig. Besonders stolz bin ich darauf, dass der Standort sich über die Jahre immer wieder selbst neu definiert hat, was nur durch Innovationen gelungen ist, die am Standort entwickelt beziehungsweise implementiert wurden: Stetig hat man Bestehendes genommen, weiterentwickelt und daraus Innovation geschaffen. Eine Leistung, die einzig auf den Fleiß und das Commitment unserer Mitarbeitenden zurückzuführen ist.   

Haben Sie Wünsche an den Standort Österreich oder die ABA? 

Wenn wir auch in Zukunft erfolgreich sein wollen, dann müssen wir damit beginnen, Gesundheit entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu denken. Die Pandemie hat den gesellschaftlichen wie volkswirtschaftlichen Wert von Gesundheit eindrucksvoll dargestellt. Über Nacht wurden ganze Nationen „verwundbar“. Wir brauchen ein neues Kooperations-Mindset aller Systemplayer, um Standortpolitik in Österreich integriert zu verstehen. Die Pandemie hat weiter gezeigt, wie entscheidend es ist, Innovation und Produktion in Europa zu stärken, um unabhängiger von Wirtschaftsmächten wie China, Indien oder den USA agieren zu können. 

Ich habe die Sorge, dass diese großen Erkenntnisse wieder bald in Vergessenheit geraten werden, und uns dann wieder überraschen, ganz nach dem Motto „ach, hätten wir damals doch bloß“ … 

Wie haben die ABA und die Tirol Agentur unterstützt? 

Vor allem hinsichtlich der Öffnung unseres Standorts Kundl/Schaftenau für externe Firmen und der Etablierung eines Life Science Parks haben wir aktuell eine sehr intensive Zusammenarbeit mit der Standortagentur Tirol und auch mit der ABA, die uns hier in vielerlei Hinsicht, vor allem aber mit ihrem exzellenten Netzwerk und den damit verbundenen Möglichkeiten der zielgerichteten Ansprache von Inserenten aktiv unterstützen. 

Und noch eine abschließende Frage: Was schätzen Sie persönlich am meisten an Österreich? 

Die Kombination aus Rechtssicherheit und sozialem Frieden. 

 

Novartis Austria

Novartis feierte 2021 75 Jahre Arzneimittelproduktion in Österreich. Die Novartis-Gruppe in Österreich sowie deren Tochtergesellschaft Sandoz sind Teil des Schweizer Pharmakonzerns Novartis. Die beiden Tiroler Standorte Kundl und Schaftenau sind das größte Produktionszentrum innerhalb der globalen Novartis-Gruppe. Das Werk in Kundl ist das Produktionszentrum für biotechnologisch hergestellte Arzneimittel wie Antibiotika und hochkomplexe Biologika. Der Standort Schaftenau ist das Novartis-Kompetenzzentrum für moderne Zellkulturtechnologie. Hier wurde im Mai 2022 mit BioFuture die weltweit modernste Produktionsanlage für Biopharmazeutika eröffnet. 2021 wurde der Campus Kundl/Schaftenau für die Ansiedlung weiterer Life-Sciences-Unternehmen geöffnet. 

Weitere Success Stories

Zur Hauptnavigation