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© Aylin Narli
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United Micro entwickelt in Österreich 5G-Modem-Chips für IoT

Hochfrequenz-Mikrochips made in Linz, Oberösterreich, einem Hotspot für RF Chip Entwicklung für Mobilfunk und Radar: So kann die Geschäftstätigkeit und Standortwahl von United Micro Technology, einem internationalen Startup mit Hauptsitz in China zusammengefasst werden. Wie kam es zu dieser lokalen Spezialisierung, auf die Apple, Infineon, Bosch & Co setzen?

Fragen an Thomas Lüftner, Member of the United Micro executive leadership team as Vice President for RF and Programs, Managing Director of United Micro Technology GmbH.
 

Was ist Ihre Rolle bei United Micro Technology, was macht ein Vice President für RF und Programm?

Als Co-Geschäftsführer der United Micro Technology GmbH habe ich mit meinem Kollegen Bernd Eggers gemeinsam unsere drei Standorte in München, Dresden und Linz aufgebaut. Hier zählen zu meinen täglichen Aufgaben natürlich das operative Management von Finance, Legal, HR bis hin zu Kommunikation.

In meiner zweiten Rolle als Vice President für RF bin ich für die Leitung unserer Hochfrequenz-Chip-Entwicklung in Linz zuständig. Dazu gehören Aufgaben wie der Aufbau der Teams und deren Führung, externes Partner-Management, die Identifizierung neuer Möglichkeiten für Innovationen, und die Sicherstellung, dass unsere Technologien den aktuellen Marktanforderungen entsprechen bzw. sich stetig mitentwickeln. Meine Zuständigkeit für Programme ergibt sich durch meine frühere Erfahrung bei Intel und soll eine nahtlose Integration von Modemtechnologien für unsere 5G Modem-Chipset Produktlinien sicherstellen. Der Vorteil ist, dass wir somit bei United Micro weltweit einen ganzheitlichen Ansatz über unsere sechs Entwicklungsstandorte erreichen können. Dabei werden nicht nur die technologischen Aspekte, sondern auch von Anfang an die geschäftlichen, marktbezogenen und regulatorischen Anforderungen berücksichtigt werden.

Wie kam es zur Gründung von United Micro Technology im August 2022 und in welchen Ländern sind Sie tätig?

Als ehemalige Intel-Kollegen mit viel Erfahrung im Bereich der Mikroelektronik wollten wir etwas Neues erschaffen. Zur Gründung der sechs Standorte im vergangenen Jahr kam es grundsätzlich, da unser Gründerteam auf 3 Kontinente aufgeteilt wohnhaft ist. Natürlich spielte die strategische Herangehensweise auch eine Rolle, da die Entscheidung, Standorte in Europa (Linz, München, Dresden), China (Xian, Shenzhen) und den USA (Austin) zu etablieren, United Micro ermöglicht, auf diverse Talente und Ressourcen aus unseren lokalen Netzwerken aus der Zeit bei Infineon und Intel zuzugreifen und unsere globale Präsenz zu stärken.

Wie würden Sie Ihre Geschäftstätigkeit in Österreich beschreiben? Wo sind die Chips von United Micro im Einsatz und was hebt sie von anderen ab?

In Linz hat sich unser Entwicklungszentrum für die Hochfrequenztechnik etabliert. Für den Chip-Weltmarkt bieten wir Lösungen für 5G IoT, von PC bis Automotive & Industrial und heben uns durch den Fokus auf IoT ab. Andere Firmen wie Mediatek und Qualcomm entwickeln auch Modems für Smartphones.

Linz zeichnet sich durch ein starkes Ökosystem für Hochfrequenztechnik aus. Firmen wie Apple, Infineon und Bosch sind hier bereits angesiedelt und betreiben Entwicklungszentren für RF-Chip Entwicklung. Der Hotspot ist weltweit einzigartig.

Thomas Lüftner Managing Director of United Micro Technology GmbH

Weshalb haben Sie sich auch für einen Standort in Österreich entschieden? Gibt es ist in Ihren Augen ein Alleinstellungsmerkmal, einen Vorteil für Ihr Unternehmen, der nur hier in Linz (bzw. in Österreich) zu finden ist?

Linz ist nicht nur meine Heimatstadt, sondern zeichnet sich durch ein starkes Ökosystem für Hochfrequenztechnik aus. Firmen wie Apple, Infineon und Bosch sind hier bereits angesiedelt und betreiben Entwicklungszentren für RF-Chip Entwicklung. Nicht zuletzt betreibt auch die Silicon Austria Labs Forschung für Hochfrequenztechnik mit einem Schwerpunkt auf 6G. Der Hotspot in Linz ist weltweit einzigartig. Das sind genügend Gründe um sich als junges Startup hier anzusiedeln.

Infineon und Apple verfügen über große Entwicklungszentren für integrierte HF-Schaltkreise in Linz. Viele der weltweit führenden Unternehmen in diesem Bereich sind in ganz Österreich ansässig, darunter ams OSRAM, AT&S, NXP, IMS Nanofabrication und EV Group. Wie konnte das Land aus Ihrer Sicht zu einem wahren Hotspot für Mikroelektronik werden?

Die Gründung der ersten Mikroelektronikfirmen in Österreich gehen auf Initiativen der verstaatlichten Industrie durch den damaligen Bundeskanzler Bruno Kreisky zurück. Daraus sind zum Beispiel AT&S und AMS AG in Südösterreich entstanden. Das Linzer Ökosystem hingegen entwickelte sich unabhängig davon. Der Grundstein für die Gründung der ersten Mikrochip-Unternehmen in Linz wurden durch Finanzierung aber auch unternehmerisches Handeln von einzelnen Personen gelegt - wir als United Micro wollen in diese Fußstapfen treten.

Wie blicken Sie auf die Unternehmensgründung zurück? Welche Unterstützung (von öffentlicher, aber auch privater Seite) haben Sie erfahren?

Ich denke, wir können sehr stolz darauf sein, was wir in so kurzer Zeit auf die Beine stellen konnten. Die Gründung eines Startups für Modem-Chips ist aufgrund der hohen Einstiegskosten und der Komplexität der Teamaufstellung eine anspruchsvolle Herausforderung. Besonders in dieser Branche sind vielfältige Kompetenzen erforderlich. Unser Erfolg beruht nicht nur auf unserer jahrelangen Erfahrung, sondern vor allem auf der Teamarbeit und dem gegenseitigen Vertrauen, das wir uns entgegenbringen. Darüber hinaus konnten wir auf das Engagement und die Investitionen von Partnern und privaten Investoren zählen, deren Expertise und Ressourcen maßgeblich dazu beigetragen haben, unsere Vision in die Realität umzusetzen und das Wachstum von United Micro voranzutreiben. Bisher haben wir keine öffentlichen Finanzierungen in Anspruch genommen aber wir wissen die Infrastruktur der Johannes Kepler Universität und unsere derzeitige Heimat im Open Innovation Center, das am JKU Campus liegt, sehr zu schätzen.

Welche Rolle spielen Partner und Kooperationen im Bereich Forschung und Wissenschaft am Standort in Oberösterreich für Ihr Unternehmen? Sie waren ja selbst bei Silicon Austria Labs tätig.

Die Silicon Austria Labs betreibt eine für uns sehr relevante Forschung an 6G. Durch die Kooperation können wir unsere Innovationspipeline absichern und gleichzeitig neue spannende Jobs für junge Talente in Linz generieren. Das ist sehr wichtig, um in dem dynamischen Marktumfeld wettbewerbsfähig zu bleiben.

Wie viele Mitarbeiter:innen beschäftigten Sie in Linz und aus wie vielen Nationen stammen sie? Welche Unterstützung erhalten Sie im HR-Bereich von der ABA?

Insgesamt werden wir im neuen Jahr ein Team aus 20 Personen haben, das durch die Vielfalt von 9 verschiedenen Nationalitäten geprägt ist. Einige unserer Teammitglieder ziehen sogar direkt aus dem Ausland nach Linz, um bei uns zu arbeiten. Besonders in Bezug auf die anfänglich komplexen Prozesse für Visa und Arbeitsgenehmigungen bietet die ABA eine umfassende Anleitung auf ihrer Webseite. Ihre klaren Antworten auf FAQs erleichtern den gesamten Prozess erheblich und tragen dazu bei, dass unsere internationalen Mitarbeiter einen reibungslosen Start in unserem Unternehmen haben.

Welchen Stellenwert hat die Halbleiterbranche in Europa aus Ihrer Sicht? Wie wird sich der European Chips Act auf die EBS-Branche am Kontinent auswirken, wie auf United Micro?

Europa hat mittlerweile erkannt, dass die Halbleiterbranche eine systemische Bedeutung für die globale Wettbewerbsfähigkeit und damit den nachhaltigen Wohlstand des Kontinents hat. Es geht dabei nicht nur um Lieferkettensicherheit für die bestehende Industrie, sondern es geht um viel mehr. Nämlich darum, bei den Technologien der Zukunft wie AI, Supercomputing, oder 6G überhaupt eine globale Relevanz zu erhalten. Von Technologieführerschaft entfernt sich Europa ja zusehends, die USA und vor allem China haben das längst übernommen. Der European Chips Act ist daher eine sehr dringende und notwendige Maßnahme. Ob es eine hinreichende Maßnahme ist, wird sich zeigen. Als United Micro nutzen wir „the best of both worlds“ – mit unserem China Footprint nutzen wir die die hohe Dynamik am chinesischen Markt und mit unseren europäischen Standorten nutzen wir die nach wie vor hohe Ingenieurskompetenz in Deutschland und Österreich. Wir hoffen, dass der European Chips Act auch dazu führt, dass wieder mehr junge Talente sich für eine Ausbildung in der Mikroelektronik entscheiden.     

Und noch eine abschließende Frage: Was schätzen Sie persönlich am meisten an Österreich?

Besonders schätze ich an Linz die dynamische Entwicklung, die sich in den letzten 20 Jahren gezeigt hat. Es ist bemerkenswert, wie sich die Stadt in dieser Zeit stark internationalisiert hat und zunehmend internationale Studierende sowie Fachkräfte anzieht. Natürlich genieße ich die Schönheit der Landschaft sowie das Gefühl von Sicherheit und Freiheit, das Österreich bietet.

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