#LocationAustria - 15 Tipps zur erfolgreichen Ansiedlung in Österreich

Tipp 1: Nicht ohne Strategie und Businessplan

Einige Unternehmen gründen eine Niederlassung im Ausland, ohne sich vorher ausreichend mit ihrer Strategie und der Auswahl des geeigneten Auslandsstandorts auseinander gesetzt zu haben. Was sollten Sie beachten?

Wer den Schritt nach Österreich wagt, braucht nicht nur ein gutes Produkt und den Wunsch auf unternehmerisches Wachstum – vor allem ein Businessplan gehört zum Rüstzeug für ein erfolgreiches Vorhaben. Darüber hinaus bietet ein guter Businessplan die Chance, potenzielle Investoren zu überzeugen und selber den Überblick zu behalten.

„Wer gut vorbereitet sein will, sollte Eventualitäten einplanen“, rät Birgit Reiter-Braunwieser, Director Mittel- und Osteuropa sowie Russland bei der ABA – Invest in Austria. „Der Businessplan sollte mindestens drei mögliche Szenarien abdecken. Gerade kleine Unternehmen unterschätzen das oft.“ Wichtig ist es auch, genau zu konkretisieren, welche Geschäftstätigkeiten in welchem Umfang am neuen Standort geplant sind: Was wird in der Zentrale im Ursprungsland und was wird in der neuen Auslandsniederlassung umgesetzt? Vertrieb, Produktion, Marketing, F&E? In dieser Hinsicht ist die Expansion nach Österreich ähnlich zu betrachten wie eine Neugründung.

Tipp 2: Marktüberblick verschaffen

Neben einem Businessplan ist ein umfassender Marktüberblick nötig, um eine Niederlassung im Ausland erfolgreich zu managen.

Grundsätzlich gilt: Je besser vorbereitet ein Unternehmen in einen neuen Markt geht, desto schneller und erfolgreicher wird es dort Fuß fassen. Ein guter Marktüberblick konzentriert sich dabei auf einige wesentliche Faktoren: Marktgröße und -potenzial sowie Markttrends und vor allem eine eingehende Analyse der Wettbewerber.

Außerdem wichtige Fragen sind: Wie sind Lohnkosten, Immobilienpreise und laufende Kosten vor Ort? Welche Branchencluster und Ausbildungseinrichtungen gibt es, um die Fachkräfte-Rekrutierung zu erleichtern? Welche Fördermöglichkeiten bestehen – möglicherweise auch über die Forschungsförderung hinaus? Hinzu kommt, dass kleine Märkte, je nach Kaufkraft, lukrativer sein können als es im ersten Moment erscheinen mag. „Wir erleben oft, dass Firmen vor allem in die Hauptstadt wollen“, ergänzt Hans Nagl, ABA-Director für die Region Nordamerika. „Oft ist das auch die strategisch richtige Entscheidung, aber eben nicht immer. Zudem tut man gut daran, auch innerhalb einer Stadt nicht nach Hörensagen, sondern nach Marktkenntnis und ‚hard facts‘ den richtigen Bezirk auszuwählen. Wer ein gefragtes Restaurant eröffnen möchte, wird sich z.B. sicher lieber in U-Bahn Nähe niederlassen, als in einem schwer erreichbaren Außenbezirk.

Tipp 3: Gehälter auf Jahresbasis verhandeln

Wenn Sie vorhaben, in Ihrer österreichischen Niederlassung Mitarbeiter anzustellen, empfiehlt es sich unbedingt, mit diesen Gehälter auf Jahresbasis zu verhandeln.

Passen Sie Ihre Gehaltsverhandlungen und Stellenausschreibungen dem österreichischen Umfeld an: Wenn Sie vorhaben, in Ihrer österreichischen Niederlassung Mitarbeiter anzustellen, empfiehlt es sich unbedingt, mit diesen Gehälter nicht auf Monatsbasis sondern auf Jahresbasis zu verhandeln. Aus arbeitsrechtlichen Gründen wird nämlich das Jahresbruttogehalt in Österreich in vierzehn Teilbeträge aufgeteilt, die unterschiedlich versteuert werden. Zwölf Teilbeträge werden monatlich ausbezahlt und zum laufenden Tarif versteuert. Das Weihnachtsgeld  (13. Gehalt) und das Urlaubsgeld (14. Gehalt) sind Sonderzahlungen. Diese beiden Teilbeträge werden steuerbegünstigt abgerechnet.

Der Anspruch, die Höhe und die Fälligkeit dieser beiden Sonderzahlungen sind im jeweiligen Kollektivvertrag oder Einzelarbeitsvertrag geregelt. „Arbeitnehmer in Österreich sind in Stellenausschreibungen und Verhandlungen die Angabe des Jahresgehalts gewöhnt - ein wichtiger Aspekt um Stellenanzeigen erfolgreicher zu gestalten“, so Friedrich Schmidl, Direktor für Norddeutschland bei ABA-Invest in Austria. „Wenn man das Jahresgehalt durch vierzehn dividiert, kommt man auf ein ähnliches Lohnniveau wie in Deutschland.“

Tipp 4: Gewerberechtlicher Geschäftsführer ist zwingend

Anders als beispielsweise in Deutschland, braucht ein Unternehmen in Österreich zwingend einen gewerberechtlichen Geschäftsführer.

Die Bestellung eines gewerberechtlichen Geschäftsführers (gew. GF) ist in Österreich Voraussetzung für die Erlangung der Gewerbeberechtigung. Dabei sind Einzelunternehmer, eingetragene Personengesellschaften (OG, KG) und juristische Personen, wie z.B. Kapitalgesellschaften (GmbH, AG, Genossenschaften) von der Regelung betroffen. Wichtig für Länder außerhalb der EU: Der gew. GF muss neben der fachlichen Befähigung vor allem auch einen gültigen Aufenthaltstitel in Österreich haben.

„Unternehmer sollten sich genau informieren, was der gew. GF entscheiden darf und zu verantworten hat“, so Friedrich Schmidl, Direktor für Norddeutschland bei ABA-Invest in Austria. Gegenüber der zuständigen Gewerbebehörde ist der gew. GF für die Einhaltung der gewerberechtlichen Vorschriften samt Nebengesetzen (z.B. Öffnungszeiten, Preisauszeichnung oder Ausbildung) verantwortlich. Gegenüber dem Unternehmen haftet der gew. GF für fachlich einwandfreie Ausübung. Tipp von Friedrich Schmidl: „Der handelsrechtliche Geschäftsführer kann bei entsprechender Qualifikation auch gew. GF sein.“ 

Tipp 5: Berater müssen beide Seiten kennen

Lassen Sie sich bei der Unternehmensgründung in Österreich nur von Experten beraten, die fachliches Know-how sowohl für Österreich als auch Ihr Herkunftsland aufweisen können.

Bei der Unternehmensgründung in Österreich sollten Sie sich ausschließlich von Spezialisten beraten lassen, deren fachliches Know-how sowohl Österreich als auch Ihr Herkunftsland umfasst. Das gilt besonders für Bereiche wie Steuerrecht, Arbeitsrecht, Verwaltungsrecht, Mietrecht etc.

Ihr Steuerberater, Anwalt, Immobilienberater in Österreich sollte auf jeden Fall gleichzeitig firm in der Rechtslage Ihres Herkunftsmarktes sein und mit der jeweiligen Fachterminologie des Landes vertraut sein. So können Sie eine fundierte, objektive und erfolgversprechende Beratungsleistung sicherstellen. Beachten Sie auch, dass fachliche Begrifflichkeiten – etwa im österreichischen Verwaltungsrecht – häufig rein Österreich-spezifisch sind – und daher ein versierter „Übersetzer“ vonnöten ist.

Tipp 6: Bedenken Sie die NoVA

Ob bei Privat- oder Firmenfahrzeugen: In Österreich wird bei der Erstzulassung eines PKW die sog. NoVA (Normverbrauchsabgabe) fällig. Für LKW wird die NoVA derzeit nicht erhoben.

In Österreich gelten andere Zulassungsbestimmungen und steuerliche Regelungen zur Anmeldung eines PKW als im europäischen Ausland. Bei der Erstzulassung eines PKW in Österreich wird die sog. NoVA (Normverbrauchsabgabe) einmalig fällig. Wichtig: Auch bei einer Übersiedelung des Fahrzeuges aus dem Ausland muss diese Steuer entrichtet werden! Sie wird abhängig von den CO2-Emissionen erhoben und als Prozentsatz vom Fahrzeugwert (netto) berechnet. Für LKW wird die NoVA nicht erhoben.

Beim Kauf eines neuen PKW wird die NoVA an den Verkäufer, z.B. das Autohaus, entrichtet. Dieser ist verpflichtet, die Steuer an das zuständige Finanzamt abzuführen.Ausgenommen hiervon ist der Zweck der Weiterlieferung im Rahmen des innergemeinschaftlichen Erwerbs durch dazu befugte Händler. 

Tipp 7: Orientieren Sie sich am österreichischem Gewerberecht

Einzelne Gewerbe sind in Österreich häufig anders definiert und reglementiert als in anderen Ländern.

Man unterscheidet in Österreich grundsätzlich reglementierte Gewerbe sowie freie Gewerbe. Beachten Sie, dass diese in Österreich anders definiert und reglementiert sein können als in Ihrem Heimatmarkt. So kann z.B. ein in Deutschland freies Gewerbe in Österreich reglementiert sein. Reglementierte Gewerbe sind Gewerbe, die einen Befähigungsnachweis erfordern, z.B. Tischler, Metalltechnik, Ingenieurbüros.

Die „Liste der reglementierten Gewerbe“ für Gewerbe, die einen Befähigungsnachweis erfordern, führt diese vollständig auf, während die "Bundeseinheitliche Liste der freien Gewerbe" eine umfangreiche Aufzählung von Gewerben enthält, für die kein Befähigungsnachweis erforderlich ist.

Für jedes reglementierte Gewerbe sind in Verordnungen die Zugangsvoraussetzungen festgelegt. Allgemeine Voraussetzungen zur Begründung einer Gewerbeberechtigung sind die Österreichische Staatsbürgerschaft oder EWR/EU Staatsangehörigkeit, die Eigenberechtigung (Alter mindestens 18 Jahre), das Fehlen von   Ausschließungsgründen (z.B. Finanzstrafdelikte, gerichtliche Verurteilung) sowie die Bezeichnung des Standortes und allenfalls auch die Betriebsanlagengenehmigung.

Wichtig ist, früh genug vor Markteintritt für sich festzustellen: Welches Gewerbe übe ich mit meiner Firma in Österreich überhaupt aus und welche Schritte muss ich daher setzen. „Mit einer genauen Beschreibung der geplanten Geschäftstätigkeit klären wir für interessierte Investoren ab, welche Gewerbeberechtigung benötigt wird, welche Voraussetzungen dafür erfüllt sein müssen und welche Unterlagen für die Antragstellung benötigt werden“, empfiehlt Bernhard Bachleitner, ABA-Direktor für Süddeutschland.

Beachten Sie auch: Anders als in vielen Ländern gibt es in Österreich keine Gewerbesteuer.

Tipp 8: Bedenken Sie einen Anspruch auf Abfertigung

In Österreich sollten Sie als Arbeitgeber einige Besonderheiten des Arbeitsrechts kennen. Dazu gehört unter anderem die sogenannte Abfertigung.

Mit der sogenannten Abfertigung NEU haben alle Arbeitnehmer, deren Dienstverhältnis in Österreich nach dem 1. Januar 2003 begonnen hat, per Gesetz Anspruch auf Abfertigung. Dieser geht auch bei Selbstkündigung nicht verloren. Diese gesetzlich vorgeschriebene Abfertigung sollte nicht mit der in anderen Ländern zum Teil üblichen Abfindung verwechselt werden.

Arbeitgeber in Österreich sind verpflichtet, ab dem 2. Monat eines Arbeitsverhältnisses monatlich 1,53% des Bruttoentgelts inklusive Sonderzahlungen (Urlaubs- und Weihnachtsgeld) in eine betriebliche Vorsorgekasse („Abfertigungskasse“) einzuzahlen. Diese Kasse führt pro Arbeitnehmer ein Abfertigungskonto.

Bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses stehen dem Arbeitnehmer neben der Auszahlung des angesammelten Abfertigungsbetrags (nach mindestens drei Einzahlungsjahren) mehrere Möglichkeiten offen, etwa die Weiterveranlagung in derselben Vorsorgekasse oder die Übertragung der Ansprüche in die Vorsorgekasse des neuen Arbeitgebers.

Tipp 9: Informieren Sie sich über die Besonderheiten des österreichischen Arbeitsrechts

In Österreich sollten Sie als Arbeitgeber einige Besonderheiten des Arbeitsrechts kennen. Dazu gehört unter anderem die hohe Flexibilität bei der Beendigung von Arbeitsverhältnissen.

Nach österreichischem Arbeitsrecht kann die Kündigung durch den Arbeitgeber ohne Angabe von Gründen erfolgen. Die jeweilige Kündigungsfrist für den Arbeitgeber richtet sich in der Regel nach der Dauer des Dienstverhältnisses und ist für Arbeiter und Angestellte unterschiedlich geregelt. Sie kann für Angestellte von sechs Wochen bis zu fünf Monaten betragen. Für Arbeiter ergeben sich die Kündigungsfristen in der Regel aus den einzelnen Kollektivverträgen und sind meist nach der Dienstzugehörigkeit des Arbeiters gestaffelt. Unabhängig von der Arbeitsdauer beträgt die Kündigungsfrist für den Arbeitnehmer immer einen Monat. SBei Bedarf kann auch ein Probemonat vereinbart werden: während dieser Zeit können beide Vertragspartner ohne Angabe von Gründen jederzeit das Arbeitsverhältnis auflösen.ie kann durch Vereinbarung bis zu einem halben Jahr ausgedehnt werden.

Friedrich Schmidl, Direktor Deutschland Nord bei ABA-Invest in Austria erläutert: „Flexibilität zur Beendigung von Arbeitsverhältnissen senkt auch die Hürden für Neueinstellungen und geht so in Österreich mit einer im EU-Vergleich kurzen Verweildauer in der Arbeitslosigkeit einher.“ Österreich kann den fünftniedrigsten Anteil an Langzeitarbeitslosen in der EU vorweisen.

Tipp 10: Bauen Sie ein Netzwerk auf

‚Build your network, before you need it‘ – ein Leitsatz, der in einem kleinen Land wie Österreich besondere Relevanz hat.

In einem kleineren Markt wie Österreich ist die Bedeutung langfristig aufgebauter persönlicher Beziehungen hoch und kann den geschäftlichen Erfolg maßgeblich beeinflussen. „Gerade in Österreichs gut  überschaubaren Branchen zählt die persönliche Präsenz von Unternehmern, denn jeder Einzelne wird hier auch wahrgenommen“, so Martina Hölbling, Direktor Westeuropa bei ABA-Invest in Austria.

Ideal ist es, bereits vor Markteintritt Zeit am Standort Österreich zu investieren und die richtigen Beziehungen anzubahnen. „Wir empfehlen ausländischen Investoren, neben ABA und den regionalen Betriebsansiedlungsagenturen auch Kontakte mit der österreichischen Wirtschaftskammer und ihren Fachverbänden aufzubauen und die hervorragenden Branchencluster in Österreich zu nutzen.“Ratsam ist es aber auch, bei Netzwerken anzudocken, an die man vielleicht nicht auf Anhieb denken würde, wie z.B. Wirtschafts- und Handelsabteilungen der landeseigenen Botschaft in Österreich oder die Community der Expatriates, die im Expat Center der Wirtschaftsagentur Wien organisiert ist.

Um den „guten Ton“ zu treffen hat Martina Hölbling noch einen wichtigen Hinweis für internationale Unternehmer: „Österreicher senden mehr Botschaften zwischen den Zeilen und kommunizieren insgesamt indirekter als bspw. die Deutschen. Das muss man wissen, wenn man sein Gegenüber richtig verstehen und nicht brüskieren will.“

Tipp 11: Business in Österreich – nationale Eigenheiten beachten

Wenn Sie Besonderheiten und Ausprägungen der österreichischen Mentalität kennen und beachten, haben Sie einen Startvorteil für Ihr Business in Österreich. Umgekehrt kann das Ignorieren von nationalen Eigenheiten Geschäftschancen beeinträchtigen. Aber was ist im Geschäftsleben typisch österreichisch?

Die Österreicher gelten generell als „gemütlicher“ als ihre deutschsprachigen Nachbarn. Eine Eigenschaft, die sich auch auf das Geschäftsleben auswirkt. So sind Österreichs Geschäftspartner weniger „deal focused“ als etwa amerikanische oder deutsche Kollegen und stärker am Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung interessiert. Im Restaurant spricht man erst beim „Kaffee“ über das Geschäft. Vorher gibt es viel Smalltalk über Wetter, Kultur und Sport. Allzu heftige Kritik an Österreich wird dabei nicht sehr geschätzt.

Beim Üben von Kritik sind die Österreicher auch selbst eher zurückhaltend, Negatives wird häufig nicht offen ausgesprochen. Hier sollte man lernen, zwischen den Zeilen zu lesen und ein „Nein“ oder „Ja“ zu erkennen, auch wenn es nicht offen ausgesprochen wird. Eine allzu direkte, unverblümte Meinungsäußerung kann nämlich in Österreich als taktlos empfunden werden. Großer Wert wird in Österreich auf  Pünktlichkeit und korrekte Anrede gelegt.Titel werden besonders ernst genommen und auch verwendet. Auf Visitenkarten scheinen in der Regel alle Titel und Funktionsbezeichnungen auf. 

Tipp 12: Top E-Government Services nutzen

Wenn Sie vorhaben, in Österreich eine Unternehmensniederlassung zu gründen, empfiehlt es sich, die Verwaltungsabwicklung durch Nutzung von Österreichs Top E-Government- Services zu optimieren. 

Die erste Anlauf- und Servicestelle rund um E-Government-Dienste ist das mehrfach ausgezeichnete Online-Portal HELP.gv.at. Über 90 Prozent aller Unternehmen in Österreich nutzen bereits E-Government-Services. Speziell auf die Bedürfnisse von Unternehmen in Österreich ausgerichtet ist das Unternehmensserviceportal (USP) der österreichischen Bundesregierung https://www.usp.gv.at. Das USP bietet mit nur einer einzigen Kennung Zugang zu unternehmensrelevanten E-Government-Anwendungen und Informationen. Aus Sicherheitsgründen sind nur identifizierte Benutzerkonten zugelassen - die Registrierung im USP sowie die Nutzung des USP sind kostenfrei. Für Einzelunternehmen ist eine besonders einfache Registrierung eingerichtet.

Für Unternehmensgründer finden sich auf dem Unternehmerserviceportal USP u.a. Infos zu Überlegungen im Vorfeld der Unternehmensgründung, ein Gründungsfahrplan für Einzelunternehmen und Gesellschaften und zahlreiche Formulare zum Download wie z.B. Formulare zur Gewerbeanmeldung und Formulare für verschiedene Amtswege von Behörden in ganz Österreich. Das wichtigste E-Government-Portal der Finanzverwaltung ist FinanzOnline. Alle Unternehmer mit Firmensitz in Österreich können sich für FinanzOnline bei jedem Finanzamt anmelden. Der gesamte Prozess – vom Eingang der Steuererklärung per online-Formular bis zum Steuerbescheid und zur Zustellung – wird elektronisch abgewickelt. Das vollständige Steuerkonto steht laufend für eine Abfrage zur Verfügung. Damit ist FinanzOnline ein Service der höchsten Stufe im Stufenbau von E-Government Diensten.

Tipp 13: Regionale Gesetzgebung beim Bauwesen beachten 

Wenn Sie für Ihre Expansion nach Österreich planen, einen Betriebsstandort zu errichten, umzubauen oder zu adaptieren, beachten Sie, dass das Bauwesen in Österreich der Landesgesetzgebung unterliegt. Jedes der neun Bundesländer hat somit eine eigene Bauordnung. Es empfiehlt sich daher unbedingt, einen regional versierten Architekten oder Baumeister zu engagieren, der die Einreichpläne erstellt und mit seinem Stempel versieht. Bei der regionalen Bezirkshauptmannschaft (allgemeine Verwaltungsbehörde eines politischen Bezirks), die für die betreffende Gemeinde zuständig ist, finden regelmäßig Bausprechtage für gewerbliche Betriebsanlagen statt. Bauwerber sollten dieses Service gemeinsam mit ihrem Bauexperten in Anspruch nehmen, und so Genehmigungsverfahren zu vereinfachen und rascher abzuwickeln zu können. 

Der Erwerb österreichischer Grundstücke unterliegt grundsätzlich einer Grunderwerbsteuer in Höhe von 3,5% der Gegenleistung (Kaufpreis, Schuldenübernahme, u.ä.). Für die Eintragung des neuen Eigentümers im Grundbuch fällt zusätzlich 1,1% Eintragungsgebühr von derselben Bemessungsgrundlage an.

Tipp 14: Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmer rechtzeitig planen

Wenn Sie vorhaben, in Österreich ein Unternehmen zu gründen und ausländische Arbeitnehmer zu beschäftigen, informieren Sie sich rechtzeitig über die länderspezifischen Voraussetzungen und die Anwendung des österreichischen Ausländerbeschäftigungsgesetzes (AuslBG).

Auf Arbeitnehmer aus der Europäischen Union/EWR, die aufgrund der Europäischen Grundfreiheiten das Recht zur Freizügigkeit und zur Erwerbstätigkeit auch in Österreich haben, findet das Ausländerbeschäftigungsgesetz keine Anwendung. Gemäß den Übergangsvorschriften der Beitrittsverträge gibt es allerdings für Staatsangehörige aus Kroatien derzeit noch Restriktionen.

Für Arbeitnehmer aus Staaten außerhalb der EU/EWR sind grundsätzlich sowohl eine Aufenthaltsbewilligung als auch eine Arbeitsbewilligung erforderlich. Ein Unternehmer in Österreich darf diese nur beschäftigen, wenn ihm für den Arbeitnehmer eine Beschäftigungs- oder Entsendebewilligung erteilt bzw. eine Anzeigebestätigung oder eine EU-Entsendebestätigung ausgestellt wurde, oder wenn der Ausländer eine für diese Beschäftigung gültige Arbeitserlaubnis oder einen Befreiungsschein besitzt. Zuständige Behörde in Österreich ist die regionale Geschäftsstelle des Arbeitsmarktservice (AMS).

Tipp 15: Chancen der Rot-Weiß-Rot – Karte für Schlüsselarbeitskräfte nutzen

Wenn Sie für Ihre Expansion nach Österreich planen, ausländische Arbeitnehmer aus Ländern außerhalb der Europäischen Union/EWR (Drittstaatsangehörige) zu beschäftigen, informieren Sie sich rechtzeitig über die Möglichkeiten zur Erlangung der Rot-Weiß-Rot – Karte.

Mit der Rot-Weiß-Rot – Karte hat Österreich für Arbeitnehmer aus Ländern außerhalb der Europäischen Union/EWR (Drittstaatsangehörige) ein flexibles, neues Zuwanderungssystem für besonders Hochqualifizierte, Fachkräfte in Mangelberufen, sonstige qualifizierte (unselbständige) Schlüsselkräfte, Selbständige Schlüsselkräfte und Ausländische Studienabsolventen eingeführt. Ziel ist, qualifizierten Arbeitskräften aus Drittstaaten und ihren Familienangehörigen eine nach personenbezogenen und arbeitsmarktpolitischen Kriterien gesteuerte und auf Dauer ausgerichtete Zuwanderung nach Österreich zu ermöglichen. Die wichtigsten Kriterien sind dabei Qualifikation, Berufserfahrung, Alter, Sprachkenntnisse, Mindestentlohnung und ein adäquates Arbeitsplatzangebot.

Die Rot-Weiß-Rot – Karte wird in zwei Varianten ausgestellt: Die Rot-Weiß-Rot – Karte berechtigt zur Niederlassung und zur Beschäftigung bei einem bestimmten Arbeitgeber. Die Die Rot-Weiß-Rot – Karte plus berechtigt zur Niederlassung und zum unbeschränkten Arbeitsmarktzugang (selbständige und unselbständige Erwerbstätigkeit, nicht auf einen bestimmten Arbeitgeber beschränkt).

„Das System der Rot-Weiß-Rot – Karte macht Österreich noch attraktiver für Talente aus aller Welt“, so ABA-International Director Wilfried Gunka. Ausgerichtet am Bedarf am Arbeitsmarkt, bietet die Karte klare Vorteile für Unternehmen - hoch qualifizierte Arbeitskräfte stehen rasch zur Verfügung.